Riesling Report 2002 Terry Theise Estate Selections

p.a. ohler’sches weingut
rheinhessen • bingen


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Lebensart Stern
11/2003, S. 134

 

 


 



Deutschland und die Welt Frankfurter Allgemeine Zeitung
19.03.2001, Nr. 66, S. 14

ZUR LAGE DES WEINS
Ungeliebte Ananas
Der Binger Scharlachberg / Von Oliver Bock

Was nur mag in die Binger Winzer gefahren sein, als sie vor gut zwei Jahrzehnten entschieden, auf die Flurbereinigung in einem prachtvollen Weinberg zu verzichten und diesen den dornigen Hecken und schattigen Büschen preiszugeben. War der zu erwartende Lohn der Bewirtschaftung wirklich nicht der Mühe wert? Der Weinberg gibt ein Bild des Jammers ab. Sein Name, "Binger Scharlachberg", steht heute für die Mißachtung und den Niedergang einer deutschen Renommierlage. Die Chancen, die im unter Weinliebhabern ohnehin schlecht beleumundeten Weinland Rheinhessen damit verbunden sind, eine Lage von Weltruf zu besitzen, werden nicht genutzt. Und nur einige wenige Winzer bemühen sich mit mehr oder weniger großem Erfolg, an die Zeiten alter Herrlichkeit anzuknüpfen.

Um daran zu erinnern, welche Wertschätzung der Weinberg einst genoß, müssen wir bis in die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts zurückgehen. Johann Philipp Bronner beginnt in seinem 1834 erschienenen Buch über den "Weinbau in der Provinz Rheinhessen, im Nahethal und Moselthal" mit einem Superlativ für den dort erzeugten Wein: "Dieser Scharlachberg, etwa 250 Fuß hoch, mit Reben bepflanzt, der das edelste Produkt an der ganzen Nahe liefert, hat eine südwestliche Exposition, und an der eben berührten äußersten Gränze der Felswand eine Abdachung von 36 Graden (der Berg zieht sich gegen Rüdesheim, eine halbe Stunden von Bingen). Von hier aus wird derselbe aber immer niederer und flacher, so daß er am Ende nur noch ein Viertel seiner ersten Höhe, und eine Abdachung unter 10 Grade hat. Die beste Weinlage des Scharlachbergs ist die, wo ein röthlicher Tonschiefer vorherrscht, wo die stärkste Abdachung ist, die sich in eine Menge Terassen theilt, und eine muldenförmige Einbiegung hat, die vor allen Winden geschützt hat."

Jene Stelle, die Bronner so ideal für die Erzeugung vorzüglicher Weine erscheint, ist heute mit bloßem Auge nicht mehr zu erkennen, weil sie längst unter Hecken und Sträuchern verschwunden ist. Daß dort Spitzenrieslinge erzeugt werden könnten, steht außer Frage. Doch in Folge der Verbuschung der Filetstücke des "Scharlachbergs", der Vergrößerung der Weinlage durch das Weingesetz von 1971 und der Flurbereinigung ist der Weinberg ein gutes Stück nach Westen verschoben worden. Aus der einstigen Südwestlage ist dadurch eine reine Südlage geworden. Seinem Namen immerhin wird der Berg noch gerecht, denn der Schieferverwitterungsboden ist auch im vergrößerten "Scharlachberg" durch einen hohen Eisenoxydanteil geprägt, was zu einer charakteristischen, unregelmäßigen Rotfärbung führte und den Betrachtern mit etwas Abstand zum Berg den Eindruck vermittelte, der rotfleckige Hang leide an Scharlach.

Daß Bronner den Scharlachberg noch zum unmittelbar benachbarten Weinanbaugebiet Nahe zählte, ist kein Versehen. Tatsächlich gehörte der Weinberg im Dreieck zwischen Rheingau, Rheinhessen und Nahe lange Zeit zum Weinanbaugebiet Nahe. Weinrechtlich ist der Scharlachberg aber längst zum Rheinhessen geworden, und er wird seither mit den Renommierlagen am Rhein von Nierstein, Nackenheim und Oppenheim in einem Atemzug genannt. 27 Hektar ist der Scharlachberg heute groß, und immerhin erweisen die Winzer dem Ruf und dem Potential der Lage ihre Reverenz, indem sie dort, ganz rheinhessen-untypisch, fast ausschließlich Riesling anpflanzen. Auf dem steinreichen Boden wachsen die Rebstöcke ungewöhnlich langsam, und die nach der Flurbereinigung gepflanzten, inzwischen 13 bis 15 Jahre alten Rebstöcke sehen aus, als wären sie erst vor wenigen Jahren in die Erde gesetzt worden.

Nasse Jahre verdaut der Weinberg problemlos, ihm macht eher die Trockenheit heißer Sommer zu schaffen. Die Winde aus dem Hunsrück prallen ungehindert auf den Südhang und fördern die Verdunstung. Allerdings trocknen sie regenfeuchte Reben auch schnell ab, die Trauben bleiben deshalb lange gesund und erlauben eine späte Lese und damit auch hohe Mostgewichte. Rolf Schregel, der Verwalter des Weingutes Villa Sachsen, das im Besitz von fast der Hälfte des Scharlachberges ist, läßt sich mit der Lese besonders lange Zeit und erntet deshalb Weine, die selten unter 88 Grad Oechsle aufweisen, meist sogar zwischen 93 und 96 Grad Oechsle. Die Erntemenge wird dabei auf unter 50 Hektoliter je Hektar begrenzt. Die so erzeugten konzentrierten Weine sind nicht so säurereich wie die Pendants aus dem Rüdesheimer Berg auf der anderen Rheinseite. Wer die spritzigen, eleganten Spätlesen aus dem Scharlachberg verkostet, hat vor allem die betörende Frucht einer reifen Ananas im Mund.

Was Schregel bedauert, ist der fehlende Wettstreit mit den übrigen Binger Winzern, wer dem Weinberg die beste Qualität abzuringen versteht. Für die meisten Winzer am Ort scheint der Scharlachberg ein rheinhessischer Weinberg wie jeder andere zu sein.

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